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5 Jahre Kreativrausch

„Es wird nicht leiser werden“

Die Kreativrausch GmbH, die Agentur für Social Media & Content Marketing mit Sitz in Braunschweig, feiert in diesem Monat ihren fünften Geburtstag.

Vor fünf Jahren gründeten Dorothee Reinhardt und Laura Wittig die Agentur – blicken im Interview nun auf fünf spannende Jahre zurück und wagen einen Ausblick auf die Zukunft der Welt der sozialen Medien.

 

Mit welcher Motivation seid ihr damals an den Start gegangen?

Dorothee: Die Grundmotivation war es besser zu machen als unter den vorigen Möglichkeiten – es generell besser zu machen als andere. Wir wussten was wir können, konnten dies allerdings in den vorigen Angestelltenverhältnissen nicht in der Form ausleben. Und es war eine schöne Vorstellung, das dann selbstbestimmt machen zu können.

Laura: Man sagt unser Generation ja gerne nach, dass sie vieles infrage stellt. Ich glaube, dass wir an dem Punkt ganz vorne mit dabei waren. Wir haben uns damals gesagt, dass wir uns später nie sagen wollen: was wäre wenn? Also haben wir beschlossen uns nicht nur diese Frage zu stellen, sondern es auch wirklich durchzuziehen. Wir waren jung, frei und hatten nicht viel zu verlieren. Also folgte der Sprung ins kalte Wasser.

 

Wie einfach oder schwer fiel euch die Zeit der Gründung?

Laura: Dadurch, dass wir beide in unserer Art sehr perfektionistisch waren – und es teilweise noch sind – haben wir sechs Monate lang einen Businessplan geschrieben. Alles wurde bis ins kleinste Detail durchgeplant. Am Ende des Tages ist nichts davon eingetreten (lacht). Neben dieser ganzen inhaltlichen Planung und Organisation hatten wir vom Gründungsprozess selbst nicht sonderlich viel Ahnung. Vieles haben wir einfach recherchiert, ergo gegoogelt.

Dorothee: In den jungen Jahren hat sich kaum jemand dergestalt damit auseinandergesetzt, was mit der Gründung alles verbunden ist. Wir selbst sind in viele Themen einfach hineingewachsen. Dass es schließlich funktioniert hat ist der Tatsache geschuldet, dass wir sehr zielstrebig sind.

 

„Ohne sie hätten wir womöglich nicht gegründet"

 

Habt ihr euch damals Unterstützung bei der Gründung gesucht?

Laura: Die Braunschweig Zukunft GmbH, in Person Angela Wandrey, hat uns schon sehr viel geholfen. Sie hat uns vor allem auch viel zugeredet, das war fast das Wichtigste. Sie hat uns motiviert und war da, wenn wir den Kopf in den Sand stecken wollten. Ohne sie hätten wir womöglich nicht gegründet.

Dorothee: Was uns auch sehr geholfen hat war die Teilnahme am Mentorenprogramm der Braunschweiger Wirtschaftsjunioren. Dort haben wir unter anderem Stefan Ebeling von der Kanzlei Schulte & Prasse kennengelernt, der uns viele wichtige Impulse mit auf den Weg gegeben hat.

 

DAS RICHTIGE TIMING

Das richtige Timing ist alles: Unter dem Faktor Decay betrachtet Facebook den Zeitabstand zwischen der Veröffentlichung und dem letzten Login eines Nutzers. Wenn ein Nutzer schon längere Zeit nicht mehr online war, ist es wahrscheinlich, dass er Euren Beitrag beim nächsten Login noch angezeigt bekommt. Optimalerweise loggt er sich aber ein und bekommt gleich Euren Post angezeigt, weil dieser besonders aktuell ist. Hier gilt: Know your fans! In den Statistiken könnt Ihr als Seitenbetreiber nachschauen, zu welchen Zeiten Eure Fans online sind. Nutzt diese Möglichkeit und setzt Euren Beitrag zum idealen Zeitpunkt ab, wenn Eure Fans ihn auch sehen.

 

Habt ihr euch damals ganz bewusst mit der Gründungsszene vernetzt?

Laura: Auf jeden Fall. Wir sind zum Beispiel zum Gründungsstammtisch gegangen – da war es super, dass man mit anderen Gründern sprechen und Erfahrungen austauschen konnte.

Dorothee: Es war aus meiner Sicht gut, dass wir zu zweit gegründet haben. Man kann Herausforderungen auf vier Schultern verteilen sowie untereinander viel besser reflektieren und diskutieren.

 

Hat sich die Gründungsszene in den vergangenen Jahren spürbar weiterentwickelt?

Dorothee: Es war aus meiner Sicht gut, dass wir zu zweit gegründet haben. Man kann Herausforderungen auf vier Schultern verteilen sowie untereinander viel besser reflektieren und diskutieren.

Dorothee: Es war aus meiner Sicht gut, dass wir zu zweit gegründet haben. Man kann Herausforderungen auf vier Schultern verteilen sowie untereinander viel besser reflektieren und diskutieren.

 

Hat sich die Gründungsszene in den vergangenen Jahren spürbar weiterentwickelt?

Dorothee: Das kann man schon so sagen. Wenn man heute gründet und mit offenen Augen durch die Stadt geht, dann kann man schon sehr viel Hilfe finden. Alle sind hier auch sehr bemüht neue Angebote und Formate zu schaffen.

Ihr meintet, dass nichts von euren ursprünglichen Planungen eingetreten ist. Wie erklärt ihr euch das?

Dorothee: Im Grunde sind wir viel zu negativ an die Sache herangegangen. Wir dachten etwa, dass wir in den ersten drei Jahren keine Mitarbeiter einstellen werden. Nach zwei Monaten haben wir dann die ersten Kollegen begrüßt (lacht).

Laura: Wir hatten einen Worst Case, einen Best Case…letztendlich hatten wir in der ersten Zeit deutlich mehr Zuspruch, als wir es uns in irgendeiner Form ausgerechnet hätten. Diesen Zulauf hätten wir gar nicht alleine stemmen können.

 

Raus in die Welt

 

Gab es über den Weg der vergangenen fünf Jahre wichtige Meilensteine?

Dorothee: Der erste Meilenstein war ein Krisengespräch mit unserem Mentor. Wir hatten den Gründungsprozess durch, saßen im Büro und: das Telefon klingelte einfach nicht. Wir mussten feststellen, dass die Welt nicht auf uns gewartet hat. Unser Mentor trat uns in den Hintern und motivierte uns, mehr über unsere Arbeit zu sprechen. Das war wirklich wichtig für uns. Wir sind dann raus in die Welt und haben uns ein Netzwerk aufgebaut. Das ist Gold wert.

Laura: Über die Jahre haben wir immer wieder unser Team erweitert und verändert – auch da gab es viele Learnings. Plötzlich muss man Prozesse und Qualitätsstandards definieren. Und muss aufpassen, dass man generisch und nicht zu schnell wächst. Es hat schon etwas gebraucht, ein so tolles Team aufzustellen, wie wir es heute haben. Die es auch fachlich wahnsinnig drauf haben.

Dorothee: Wahrscheinlich haben wir relativ klassische Meilensteine. Die ersten Kunden, die ersten Mitarbeiter, die ersten Personalerfahrungen…so oder so muss ich sagen, dass wir in den fünf Jahren ausgesprochen viel gelernt haben. Auch ganz persönlich.

 

 

Wie ist es Geschäftsführer zu sein?

Laura: Die „Problematik“ eines Geschäftsführers ist ja ein bisschen, dass man vorher nicht wirklich lernt, Geschäftsführer zu sein. Man erlernt einen Beruf – zum Beispiel den des Marketeers, wie ich – aber eben nicht, was zu Personalführung oder Vertriebssteuerung gehört. Das mussten wir nach und nach lernen, beziehungsweise tun es auch heute noch. Heute wissen wir: Je mehr Zeit man in die Geschäftsführung investiert, desto größer sowie erfolgreicher kann ein Unternehmen werden. Wir haben sehr lange daran festgehalten selbst viel an Projekten zu arbeiten, quasi in vorderster Front. Wir dachten, dass wir unersetzbar sind. Was natürlich totaler Quatsch war.

Dorothee: Es ist schön an Projekten zu arbeiten und mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht auch kreativ in Projekten tätig sein könnte. Dafür haben wir auch viel zu viele Ideen. Aber, wie Laura sagt: Umso mehr wir am Unternehmen arbeiten, desto mehr Struktur bekommen wir in alles hinein und können alles nach vorne bringen. Visionen und Ziele sind wichtig, und wer sollte dafür verantwortlich sein, wenn nicht wir.

 

Ihr engagiert euch in diversen Vereinen und Netzwerken – wie ist eure damit verbundene Motivation?

Dorothee: Bei den Wirtschaftsjunioren bin ich im Arbeitskreis Existenzgründung und -sicherung. Dort kümmern wir uns darum, dass Existenzgründer aufmerksam betreut werden, eine gute Beratung bekommen und die passenden Anlaufstellen finden. So ging es mir auch in meiner Zeit als Vorstandsmitglied bei der KreativRegion, wo mir dieses Thema ebenfalls am Herzen lag. Als Gründer hat man es nicht immer nur einfach, und da ist es gut, Beratung und Unterstützung zu erfahren. Mit meinem Engagement an der Stelle möchte ich einfach gern etwas zurückgeben. Auch lerne ich immer wieder neue Leute kennen, kann mich mit neuen Menschen verknüpfen.

 

Arbeiten in schnelllebigen Zeiten

 

Haben die Gründer heute andere Sorgen und Herausforderungen als ihr sie damals hattet?

Dorothee: Ich denke, dass man schon feststellen kann, dass in der hiesigen Gründerszene einiges deutlich besser läuft als damals. Was sicherlich auch dem ein oder anderen privaten Engagement zu verdanken ist. Man denke etwa an borek.digital: Das Accelerator Programm greift schon an einer Stelle an, an der wir damals gut Hilfe hätten gebrauchen können. Die dortigen Start-Ups werden sehr individuell und vielfältig betreut, das ist eine klasse Geschichte. Ganz grundsätzlich kann man allerdings feststellen, dass die Herausforderungen von Gründern sehr ähnlich zu unseren damaligen sind. Hier und da kommen nur vielleicht noch neue bürokratische Hürden hinzu, man denke etwa an die Datenschutzgrundverordnung – wobei sich damit letztlich jeder auseinandersetzen muss. Auch ist der Fachkräftemangel heute ausgeprägter als früher. Und ich muss noch ergänzen, dass die Zeiten aus meiner Sicht insgesamt deutlich schnelllebiger geworden sind. Es fühlt sich so an als ob sich alles in einer viel höheren Geschwindigkeit weiterentwickeln würde.

 

Gab es in den vergangenen Jahren Kundenprojekte, die besonders aufregend waren?

Dorothee: Die Aktionen für Jägermeister etwa sind schon besonders, weil man in der Ausgestaltung wirklich viele Freiheiten hat. Die Marketingvorarbeit des Unternehmens war zudem bombastisch, weil dort ein großes Team dahintersteht. Das, was wir mit unserem Team daraus gemacht haben, war eine echt coole Sache. Soll aber gar nicht bedeuten, dass das Vorhaben andere Kundenprojekte in den Schatten stellt – letztlich ist es eine Frage des Budgets.

 

An welchem Punkt stehen soziale Medien heute?

Laura: Die sozialen Medien sind ein fester und selbstverständlicher Teil unseres Alltags geworden. Es geht für Unternehmen nicht mehr um ein Nice-to-have, sondern um ein Must-Have. Soziale Medien werden nicht weniger wichtig, allerdings ist der zwischenzeitliche Hype erst einmal vorbei. Gleichzeitig wandeln sich die Netzwerke in einem immer größeren Tempo. Für uns ist das schon mit der ein oder anderen Herausforderung verbunden, weil wir so natürlich stets neue Konzepte und Strategien entwickeln müssen. Die Art und Weise unserer Kommunikation wird sich weiter verändern, einen großen Einfluss darauf haben freilich die sozialen Medien. Für Unternehmen ist es dabei spannend zu schauen, wo und wie sie sich dabei positionieren.

 

TikTok als „the next big thing“

 

Die Unternehmen erwarten von euch neue Impulse hinsichtlich der Entwicklung von sozialen Medien. Wo holt ihr euch eure Inspirationen und Informationen her?

Laura: Durch unsere Zusammenarbeit mit den Netzwerken selbst haben wir natürlich immer ein paar Insiderinformationen. Wir wissen oft sehr früh, was bei Instagram, Facebook & Co. als Nächstes passieren wird. Ansonsten sind wir viel in den sozialen Medien unterwegs – wir haben einfach auch viele sehr trendbegeisterte Kollegen, die schauen, was jeweils gefragt ist. Wir tauschen uns ferner gerne deutschlandweit mit Social Media-Kollegen über neue Trends, Technologien und Veränderungen aus. Letztlich wird auch viel philosophiert – niemand weiß genau, wie sich das Nutzungsverhalten in der Zukunft genau entwickeln wird.

 

Was wird denn der nächste Hit, gibt es eine Vermutung?

Laura: Instagram wird weiter wachsen, da sind sich eigentlich alle einig. Die Facebook-Familie wird weiter die Welt der sozialen Medien dominieren. Auch werden wir in Zukunft viel mehr über die Rolle von Messengern sprechen, es geht wieder mehr in Richtung Eins-zu-eins-Kommunikation. Man spricht heute von asynchroner Kommunikation: Wir verschicken Sprachnachrichten, über den Messenger wird der eigentliche Monolog dann zu einem Dialog. Dieser Trend verändert das komplette Kommunikationsverhalten. Ansonsten ist TikTok „the next big thing“, das damit verbundene Wachstum ist schon beachtlich. Einen großen Einfluss wird außerdem die Technik selbst haben – da sprechen wir etwa über Augmented Reality oder Virtual Reality. Das wird einen großen Teil der Social Media-Zukunft ausmachen, in fünf oder zehn Jahren werden wir ganz einfach und vor allem oft in andere Welten springen können. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion werden weiter verschwimmen. Vielleicht wird in der Zukunft das ein oder andere reale Treffen gegen ein virtuelles Treffen eingetauscht. Das ist ein wirklich spannender Prozess.

 

Die Fahrt mit der Achterbahn

 

Ende September feiert ihr den fünften Geburtstag. Welche Botschaft möchtet ihr dazu mit auf den Weg geben?

Laura: It’s all about the story, not the happy ending. Der trifft es aus meiner Sicht sehr gut. Wir haben früher gesagt: Wenn wir das erste Jahr erfolgreich absolviert haben, dann haben wir es geschafft. Und schließlich mit dem dritten Jahr, mit dem fünften Jahr…Jetzt sagen wir: Es geht gar nicht darum irgendwo anzukommen, sondern um die Geschichte selbst. Es geht um das Machen. Jeden Tag aufs Neue. Wir wollen etwas Gutes tun, wollen es gerne tun – wollen stolz auf das sein, was wir uns aufgebaut haben. Der Weg, den wir gehen, ist eigentlich viel wichtiger als das Ziel.

Dorothee: Das mag ernüchternd klingen – denn eigentlich arbeitet der Mensch doch immer auf ein Ziel hinaus. Sowohl beruflich als auch privat. Wir arrangieren uns mit dem Gedanken, dass wir uns immer weiterentwickeln werden, sich unser Leben ständig verändern wird und wir diesen Prozess mit Spaß genießen.

Laura: Das ist ein bisschen wie die Fahrt mit der Achterbahn.

 

Mit Blick auf die kommenden Jahre: Gibt es Dinge, die euch mit Kreativrausch wichtig sind?

Dorothee: Um ehrlich zu sein sind wir in diesem Moment dabei, uns neu zu sortieren. Das ist für uns ein wesentliches Vorhaben – wir schauen, wohin es gehen soll. Und es ist total schön, dass das kein Prozess zu zweit, sondern mit dem gesamten Team ist. Wir alle arbeiten gemeinsam an einer Vision.

Laura: Wir haben in der Region einen guten Schritt gemacht. Nun soll es um andere Größenordnungen gehen – es wird nicht leiser werden um Kreativrausch.

Interview: Falk Martin Drescher

Fotos: Andreas Rudolph